Einsparung von Pflückkosten bei Süßkirschen (11/04)

Untersuchungen zur Einsparung von Pflückkosten bei Süßkirschen

1 Wirtschaftlichkeit

2 Einflüsse auf die Ernteleistung

3 Beispiel zur Verbesserung des Pflückverfahrens

4 Konsequenzen für den Obstbaubetrieb

5 Zusammenfassung




1 Wirtschaftlichkeit

Der beste wirtschaftliche Erfolg einer Obstanlage wird bei einem Optimum an Qualität, Markterlös und Produktivität bei gleichzeitiger Minimierung der Kosten erreicht. Während die "Steigerungsfaktoren" Qualität, Markterlös und Produktivität nur noch begrenzt erhöht werden können, ist im Bereich Kostenminimierung noch ein größerer Spielraum vorhanden, um den wirtschaftlichen Erfolg positiv zu beeinflussen.Die Untersuchungen zur Arbeitseinsparung bei der Süßkirschen soll dazu anregen, diesen Spielraum in den Betrieben intensiver zu nutzen.




Entsprechend dem hohen Arbeitsaufwand von 82 % ist bei der Süßkirschenproduktion die Ernte mit 64% der Produktionskosten der größte Kostenfaktor. Nimmt man die Sortierung noch hinzu ergeben sich nach der KTBL-Datensammlung insgesamt 84% Kosten, die zur Erntezeit anfallen. Das Ziel Kostenminimierung muss also an diesem Punkt zuerst ansetzen.





2 Einflüsse auf die Ernteleistung

Die Ernteleistung wird letztendlich von einer Vielzahl verschiedenster Faktoren beeinflusst. Als Beispiel sei hier der Einfluss des Fruchtdurchmessers erwähnt, der am Rande der arbeitswirtschaftlichen Untersuchungen miterfasst wurde.







3 Beispiel zur Verbesserung des Pflückverfahrens

Um mehr Klarheit über die Einflussgröße des Ernteverfahrens auf die Pflückleistung bei Süßkirschen zu gewinnen, wurden an der SLVA Oppenheim in Zusammenarbeit mit dem Sachgebiet Arbeitswirtschaft im Gartenbau (H.R. ROHLFING) mehrere Zeiterfassungsstudien nach der “REFA”-Methode durchgeführt. Die Methode arbeitswirtschaftlicher Untersuchungen besteht darin, Arbeitsprozesse als Summe von Einzelschritten zu betrachten. Zur Zeiterfassung wird deshalb ein Arbeitsablauf in Einzelschritte zerlegt. Somit lassen sich die ursächlichen Knackpunkte leichter erkennen und beheben. Bei dem allgemein üblichen Pflückverfahren mit Korb bzw. Eimer befindet sich der Ablageort der Früchte (=Eimer) auf einem Pflückschlitten oder hängt im Baum. Die Früchte werden in die Hand genommen, abgepflückt und zum Ablageort gebracht. Dabei muss sich das Blickfeld an dem Aktionsradius der Hände ständig neu orientieren. Die Rumpfbewegungen passen sich mit einer Drehung über die Lendenwirbel dieser Bewegung an.







Das abgeänderte Pflückverfahren

Das vorhandene Pflückverfahren wurde für die Zeitanalyse unter folgenden Vorgaben abgeändert:
- Greifwege so kurz wie möglich
- wenig Zeitverlust durch Orientierung über Blickfeld und Ablageort der Früchte
- Fruchtqualität schonen
- Ergonomie der Arbeitskraft beachten
Dazu wurden Pflückbehälter, wie sie zur Kernobsternte verwendet werden, eingesetzt.





Mit diesem Verfahren wurden die Vorgaben eingehalten. Die reduzierten Greifwege und der gleichbleibende Ablageort brachten eine Steigerung der Pflückleistung von 30-35%. Diese Größenordnung konnte mit verschiedenen Sorten, unterschiedlichen Arbeitskräften und unterschiedlichen Anlagen bestätigt werden.

4 Konsequenzen für den Obstbaubetrieb









Die höhere Pflückleistung von 30-35% bedeutet gleichzeitig 30-35% weniger Lohnkosten. Entsprechend dem Anteil an den Gesamtkosten werden damit die Produktionskosten um 10% gesenkt.
Allerdings erfordert die Umstellung eines Arbeitverfahrens eine gründliche Unterweisung der Arbeitskräfte. Den Arbeitskräften muss deutlich werden, welche Auswirkungen das konsequente Beachten der kleinsten Arbeitschritte in ihrer Summe haben.

Aus den Erfahrungen vieler arbeitswirtschaftlicher Untersuchungen läßt sich die Hypothese aufstellen, daß eine gut eingearbeitete Pflückergruppe von 4 bis 10 Personen eine weitere Steigerung der Pflückleistung mit sich bringt. Die Frage stellt sich den Obstbaubetrieben, ob sich der Aufwand zur Unterweisung und Einarbeitung für einen einzelnen Betrieb lohnt.
Um dieses beste Aufwand-Nutzen-Verhältnis zu erreichen sind bei einer Pflückergruppe von 4 Personen etwa 3-5 ha Süßkirschen erforderlich. Mit dieser Flächengröße und entsprechender Streuung der Reifezeit wäre die Pflückergruppe für die gesamte Kirschensaison (40 Tage) ausgelastet. Der Aufwand für Unterweisung und Einarbeitung wäre optimal genutzt, wie aus dem folgenden Rechenbeispiel hervorgeht. Ob dieses größtmögliche Aufwand-Nutzen-Verhältnis im eigenen Betrieb erreicht wird oder in einer überbetrieblichen Zusammenarbeit, ist der Entscheidung der Betriebsleiter vorbehalten.









5 Zusammenfassung

• Ernte ist größter Kostenfaktor; Ziel: Kostenminimierung

• Pflückbehälter statt Eimer : Greifweg, Blickfeld und Ablageort bleiben gleich

• Vorteile: 30 % höhere Pflückleistung
10-20 % niedrigere Produktionskosten

• Arbeitsunterweisung wichtige Voraussetzung

Anregung für überbetriebliche Zusammenarbeit (mit 3-5 ha Süßkirschen pro Saison ist die Auslastung für eine Gruppe von 4 eingearbeiteten Arbeitskräften erreicht).


Nicht zuletzt:
Kosten sparen, das wirtschaftliche Ergebnis verbessern, unterstützt den Aufbruch zur Gelassenheit der Betriebsleiter und ihrer Familien!










peter.hilsendegen@dlr.rlp.de     www.DLR-Rheinpfalz.rlp.de drucken